Der CRP-Wert (C-reaktives Protein) ist einer der am häufigsten bestimmten Entzündungsmarker im Blut. Viele Menschen stoßen auf den Begriff im Zusammenhang mit Infekten – aber auch bei dem sensiblen Thema Krebserkrankung taucht der CRP-Wert immer wieder auf. Das führt oft zu Unsicherheit: Bedeutet ein erhöhter CRP-Wert Krebs? Kann man Krebs daran erkennen? Oder sagt der Wert etwas über den Verlauf aus?
Dieser Artikel fasst den aktuellen medizinischen Kenntnisstand verständlich zusammen und ordnet den CRP-Wert bei Krebserkrankung realistisch ein.
Was ist der CRP-Wert überhaupt?
CRP steht für C-reaktives Protein, ein Eiweiß, das in der Leber gebildet wird. Es gehört zur sogenannten Akut-Phase-Reaktion des Körpers.
Wann steigt CRP an?

Der CRP-Wert erhöht sich, wenn im Körper eine Entzündung vorliegt, zum Beispiel durch:
- bakterielle oder virale Infektionen
- Verletzungen oder Operationen
- Autoimmunerkrankungen
- chronische Entzündungsprozesse
- Tumorerkrankungen
Je stärker die Entzündung, desto höher ist in der Regel auch der CRP-Wert.
Normwerte: Wann gilt CRP als erhöht?
Die genauen Referenzbereiche können je nach Labor leicht variieren. Grob gilt:
- < 5 mg/l → normal
- 5–10 mg/l → leicht erhöht
- > 10 mg/l → deutlich erhöht
- > 50 mg/l → starke Entzündung
- > 100 mg/l → meist schwere Infektion oder ausgeprägter Entzündungsprozess
Wichtig: Ein erhöhter CRP-Wert ist nicht krankheitsspezifisch. Er zeigt nur an, dass eine Entzündung besteht – nicht warum.
CRP-Wert und Krebs: Gibt es einen direkten Zusammenhang?
Kurz gesagt: Ja, es gibt einen Zusammenhang – aber keinen Beweiswert.
Bei vielen Krebserkrankungen lassen sich erhöhte CRP-Werte feststellen. Das liegt daran, dass Tumoren häufig entzündliche Prozesse im Körper auslösen.
Warum kann Krebs den CRP-Wert erhöhen?
- Tumore setzen entzündungsfördernde Botenstoffe frei
- Das Immunsystem reagiert auf Tumorzellen
- Tumorwachstum kann umliegendes Gewebe schädigen
- Metastasen verursachen zusätzliche Entzündungsherde
All das kann dazu führen, dass die Leber vermehrt CRP produziert.
Bedeutet ein erhöhter CRP-Wert automatisch Krebs?
Nein. Ganz klar nein.
Das ist einer der wichtigsten Punkte:
Ein erhöhter CRP-Wert allein ist kein Krebsnachweis.
Sehr viele harmlose oder gut behandelbare Erkrankungen führen zu erhöhtem CRP, zum Beispiel:
- grippale Infekte
- Lungenentzündung
- Harnwegsinfekte
- Zahnwurzelentzündungen
- Rheuma oder andere Autoimmunerkrankungen
Deshalb gilt in der Medizin:
👉 CRP ist ein unspezifischer Marker.
Kann ein normaler CRP-Wert Krebs ausschließen?
Auch hier lautet die Antwort: Nein.
- Frühe Tumorstadien können völlig unauffällige CRP-Werte haben
- Manche Krebsarten verursachen kaum systemische Entzündungen
- Der CRP-Wert kann trotz bestehender Krebserkrankung normal sein
Ein normaler CRP-Wert bedeutet also nicht, dass kein Krebs vorliegt.
Bei welchen Krebserkrankungen ist CRP häufiger erhöht?
Studien und klinische Beobachtungen zeigen erhöhte CRP-Werte besonders häufig bei:
- Darmkrebs (kolorektales Karzinom)
- Lungenkrebs
- Bauchspeicheldrüsenkrebs
- Magenkrebs
- Brustkrebs (v. a. in fortgeschrittenen Stadien)
- Leukämien und Lymphomen
- metastasierten Tumorerkrankungen
Besonders beim Darmkrebs konnte gezeigt werden, dass höhere CRP-Werte häufiger mit fortgeschrittener Erkrankung auftreten.
CRP-Wert als Prognosemarker bei Krebs
In der Onkologie wird der CRP-Wert nicht zur Diagnose, aber zunehmend zur Einschätzung des Krankheitsverlaufs genutzt.
Was sagt ein dauerhaft hoher CRP-Wert aus?
- Hinweis auf ausgeprägte systemische Entzündung
- häufig verbunden mit aggressiverem Tumorverhalten
- oft schlechtere Prognose im Vergleich zu niedrigen CRP-Werten
- kann mit stärkerer Symptomlast (Müdigkeit, Gewichtsverlust, Fieber) einhergehen
Wichtig: Das sind statistische Zusammenhänge, keine individuellen Vorhersagen.
CRP während Krebstherapie
Unter Chemotherapie oder Bestrahlung:
- CRP kann vorübergehend ansteigen
- Infektionen während der Therapie erhöhen CRP stark
- Entzündungen durch Gewebeschädigung sind möglich
In der Verlaufskontrolle:
- Sinkender CRP-Wert kann auf Therapieansprechen hindeuten
- Anhaltend hoher oder steigender CRP-Wert kann Anlass für weitere Abklärung sein
Der Wert wird immer zusammen mit Symptomen, Bildgebung und anderen Laborwerten beurteilt.
CRP vs. Tumormarker – der Unterschied
| CRP | Tumormarker |
| Entzündungsmarker | tumorspezifischer |
| sehr unspezifisch | relativ spezifisch |
| steigt bei vielen Krankheiten | steigt oft nur bei bestimmten Krebsarten |
| kein Krebsnachweis | auch kein Beweis, aber gezielter |
Beispiele für Tumormarker:
- CEA
- CA 19-9
- CA 125
- PSA
Auch diese Marker reichen allein nicht für eine Krebsdiagnose.
Wann sollte ein erhöhter CRP-Wert weiter abgeklärt werden?
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn:
- CRP über Wochen erhöht bleibt
- keine Infektion gefunden wird
- zusätzliche Warnsymptome auftreten wie:
- ungewollter Gewichtsverlust
- anhaltende Müdigkeit
- Nachtschweiß
- ungeklärtes Fieber
- Blut im Stuhl oder Urin
- ungewollter Gewichtsverlust
In solchen Fällen folgen meist:
- ausführliche Anamnese
- weitere Blutuntersuchungen
- Bildgebung (Ultraschall, CT, MRT)
- ggf. Gewebeproben
Häufige Irrtümer rund um den CRP-Wert
❌ „Hoher CRP = Krebs“
✅ Falsch – meist steckt etwas anderes dahinter
❌ „Normaler CRP = alles in Ordnung“
✅ Ebenfalls falsch – Krebs kann trotzdem vorliegen
❌ „CRP ist ein Tumormarker“
✅ Nein – CRP ist ein Entzündungsmarker
Mehr lesen: Thomas Stumph – Ein Leben zwischen bekannter Herkunft und bewusster Zurückhaltung
Häufige Fragen (FAQ)
Ja, chronischer Stress kann entzündliche Prozesse fördern und den CRP-Wert leicht erhöhen.
Nein. Besonders in frühen Stadien kann der Wert normal sein.
Es gibt keinen festen Grenzwert, ab dem Krebs vermutet werden kann.
Langfristig ja – entzündungshemmende Ernährung kann chronische Entzündung senken, ersetzt aber keine Diagnostik.
Ja, häufig als Teil der allgemeinen Verlaufskontrolle.
Fazit: Wie aussagekräftig ist der CRP-Wert bei Krebserkrankungen?
Der CRP-Wert bei Krebserkrankung ist:
- ✔️ ein Hinweis auf Entzündung
- ✔️ ein möglicher Verlaufs- und Prognosemarker
- ❌ kein Diagnoseinstrument
- ❌ kein Beweis für oder gegen Krebs
Er gehört zu den Laborwerten, die im Gesamtzusammenhang interpretiert werden müssen – gemeinsam mit Beschwerden, Bildgebung und weiteren Untersuchungen.

